Alt und neu
Warum werden Musiknoten gesammelt? Die naheliegendste Antwort ist: um daraus zu musizieren. Das war auch die hauptsächliche Motivation für eine Privatperson wie Lukas Sarasin in Basel und für die Theater- und Musikliebhaber-Gesellschaft in Luzern. Sarasin sammelte Musikalien während mindestens 40 Jahren. So besass er die 1732 gedruckten Violinkonzerte von Giovanni De Santis neben W. A. Mozarts Trio Es-Dur KV 563 in einem Pariser Druck aus Mitte der 1780er-Jahre.
Verzeichnete Violinkonzerte von Giovanni De Santis, 1732, in: Katalog der Lucas Sarasin'schen Musiksammlung (UB Basel, HKun d III 9, S. 234)
W. A. Mozart, Grand Trio pour Violon Alto et Basse: Œuvre 19 (UB Basel, kr IV 194)
Musikbegeisterte entwickelten jedoch auch einen gewissen Sammler-Ehrgeiz: So ist es fraglich, ob Franz Joseph Leonti Meyer von Schauensee die Motettensammlung von André Campra aus dem Jahre 1712 zu Aufführungszwecken kaufte oder vielmehr als Sammlerstück, um die Campra-Kompositionen zu studieren. Die Noten tragen jedenfalls seinen Namen als Besitzer.
Aus: Repertorium der in dem Archiv der Theater und Musik-Liebhaber Gesellschaft zu Luzern befindlichen Musikstücke, 1808–1817 (ZHB Luzern, Ms.568.fol.:XI, S. 79)
André Campra, Recueil des motets, 1712 (ZHB Luzern, M.b 821, Titelblatt und S. 6-7)
Ähnlich verhält es sich mit der musikalisch längst ausser Mode geratenen, nicht erhaltenen Serenade in zwei Teilen von Domenico Scarlatti aus dem Bestand der Musikgesellschaft, von der leider auch kein Notenanfang vorliegt.
Aus: Repertorium der in dem Archiv der Theater und Musik-Liebhaber Gesellschaft zu Luzern befindlichen Musikstücke, 1808–1817 (ZHB Luzern, Ms.568.fol.:XI, S. 55)
Am anderen Ende der Zeitachse war es für die Musikgesellschaft wichtig, im Repertoire immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. So schenkte 1813 anlässlich seiner Einbürgerung ein gewisser J. E. Molitor (Müller) der Gesellschaft die Symphonie C-Dur von Carl Maria von Weber, nur ein Jahr nach ihrer Drucklegung.
Carl Maria von Weber, Première sinfonie …, 1812 (ZHB Luzern, AML I.193, Titelblatt)